???

English Version

1. Wem ich begegnet bin
2. Wie man Bilder findet
3. Wie man die Lokation findet
1. Wem ich begegnet bin

Beinah jedes Mal, wenn ich irgendwo einem Bild nachgehe, passiert etwas Merkwürdiges.

Einmal als ich, nachdem ich ein Auto an einer Straße passieren ließ, auf die Straße trat und meine Kamera in Position brachte, machte das Auto eine Vollbremsung und kehrte um. „Hast misch fotografiert?“ raunte mich der Fahrer an. Ich erklärte ihm, was ich mache und zeigte auch ein paar alte Aufnahmen. „Warum machst du das Alta“? Ich wollte gerade sagen: „Weil ich es kann“! Ich konnte es nicht mehr sagen, weil der Fahrer schon mit quietschenden Reifen losgefahren war.

Ein Mann im Vorgarten in Bocholt, dem ich ein altes Foto unter die Nase hielt und der von seinem Vater erzählte, von der Zeit damals und wie alles war. Und ich in Zeitdruck, denn die Sonne ging unter und ich wollte ja nur das Haus auf dem Bild finden und auch nicht unfreundlich sein. Schwierig ihn zu unterbrechen und ihm klarzumachen, dass ich wegen dem alten Foto 90 km gefahren war. Ich fand das Haus nicht. Auch nicht im Dunklen. Bocholt wurde fast komplett zerstört.

Einmal sprach mich eine ältere Dame an, die mich die unzähligen Bilder machen sah. Mal einen Meter nach rechts, noch einen Meter, dann Arme nach oben und zurück, Arme nach unten und so weiter. Wahrscheinlich sah es wirklich dämlich aus, was ich machte. Was ich denn da machen würde, fragte sie mich. Ich erklärte es ihr und nach einer Pause begann sie zu erzählen. Dass ihr Vater ein Nazi gewesen sei und sie erst vor einigen Jahren eine Traumatherapie hinter sich gebracht hat, weil sie das in ihren Träumen verfolgte. Diese Zeit. Ihr Vater. Denn er kam oft stolz nach Hause und erzählte von Zügen, die er nach Dachau geschickt hatte. Ich wollte sofort das Thema wechseln und sagte ihr, dass ich diese schlimme Zeit für sie nicht wieder wachrütteln wollte. Aber sie erzählte weiter. Dass sie nun ihren Frieden hätte mit allem, das sie in *** wohnen würde unter all den Ausländern und sehr glücklich sei. Sie wäre jetzt in ihrem hohen Alter noch so etwas wie eine Sozialarbeiterin geworden und würde sich sehr wohl fühlen. Sie hilft dem Kioskbesitzer bei Anschreiben für die Ämter. Anderen bei Gängen zum Arbeitsamt. Bekommt als Dank Tomaten umsonst vom Gemüsehändler und einen Kaffee am Kiosk. Sie lachte mich an und hatte eine große Stärke in ihren Augen. Ihre Augen funkelten mich wach an. Wir drückten uns zum Abschied.

In Münster (die Stadt Münster mag mein Projekt nicht, das wusste ich da aber noch nicht) ging ich nach einer Fotosuche noch in eine große Buchhandlung, weil ich ein Buch suchte für meinen neuen Raspery PI (kann ich aber immer noch nichts mit anfangen :O) . Ich also mit dem Finger das Regal lang. Und höre hinter mir: „Holocaust … müssen wir wegen dem Buch mal schauen … das könnten wir in den Artikel über Auschwitz einbauen … wir klären das nächste Woche … ich werde noch einmal mit dem Verlag reden“. Ich mal vorsichtig geschaut. Eine Situation fast wie in einem Interview an einem der kleinen Tische. Ein mittelalter Mann und ein alter Mann. Ich habe mich nach einer Viertelstunde getraut sie anzusprechen. Es war ein Redakteur aus der Schweiz, mit dem ich nun in nettem E-Mail Kontakt bin und Leslie Schwartz, einer der letzten Überlebenden des Holocaust, dessen Leben in Hollywood verfilmt wird! Was kann das für ein Zufall sein? Ist das Zufall? Ich war nur an diesem einen Tag, für dieses eine Foto, in diesem einen Laden, auf dieser zweiten Etage in Münster!

Ich bin gespannt, wen ich noch alles treffen darf und welche Erlebnisse ich haben werde. Ich freue mich schon darauf.

2. Wie man Bilder findet

Meist suche ich im Internet. Ich gebe einen Stadtnamen ein und „Weltkrieg“. Dann suche ich mich durch die Bilder. Am erfolgreichsten sind Fotoserien, die in Onlinezeitungen erschienen. Wichtig bei Bildern sind die Bildrechte. Man darf nicht einfach gefundene Bilder verwenden. Man muss den Rechteinhaber fragen. Stadtarchive haben eine Tarifordnung, die überall unterschiedlich ist und zum Teil utopische Preise beinhaltet. Über eine Bilderliste in einem Onlineartikel bin ich z.B. auf den Verein: Zeitzeugenbörse e.V. in Duisburg gekommen. Dessen Seite habe ich dann aufgesucht und angefragt. Dieser war über mein Projekt hocherfreut und hat mir sehr viele Bilder zur Verfügung gestellt. Diese benötige ich ja auch, da ich vorher nicht genau weiß, ob ich das Motiv auch umsetzen kann. Ich habe Heimatvereine an gemailt. Ich werde jetzt auch Zeitungen direkt ansprechen. Rechtlich interessant sind Bilder von Wikipedia, da diese „gemeinfrei“ sind und mit dem Hinweis auf die Urheberschaft und einen Link einfach verwendet werden dürfen. Allerdings sind diese rar, haben aber meist eine sehr gute Qualität.

3. Wie man die Lokation findet

Man sollte bei einem Foto schon einen Hinweis auf die Stadt, oder Stadtteil haben und die Straße. Ansonsten wird das nichts werden. In kleineren Orten kann das funktionieren, wenn ein markantes Gebäude auf dem Bild zu sehen ist. Dann kann man suchen gehen. Bilder aus dem Vorkrieg oder Krieg wiederzufinden ist oft müssig, weil die großen Bomben erst gegen Ende des Krieges fielen. Das findet man alles nicht mehr wieder. Anhand dieses Bildes von Wesel aus dem Jahr 1945 wird das klar. Ich wußte bis zu diesem Bild nicht, dass man eine Stadt so zerstören kann.


Bild: Wikipedia/National Archives

In Gladbeck habe ich mich getraut, einfach alte Leute in der Fußgängerzone anzusprechen und ihnen mein Foto unter die Nase zu halten. Einmal wurde ich angeraunzt:“Interessiert mich nicht!“, einmal in den Pfeffer geschickt und einmal war es richtig. 10 Minuten. Ich hatte vorher schon 2 Stunden im Internet gewühlt und das Motiv nicht gefunden.
Was immer an der gleiche Stelle bleibt, sind Kirchen. Zerstört, aber wieder immer wieder aufgebaut. Meist ist das Hauptschiff heute kleiner als damals.
Häuser verändern sich, aber nicht die Anordnung der Fenster. Der Dachstuhl wird umgebaut, die Fassade ist in der Neuzeit komplett ohne Stuck, aber die Position und die Größe der Fenster bleibt.
Merkwürdigerweise bleiben auch Kanaldeckel immer an der gleichen Stelle.
Häuser, bei denen auf dem alten Foto nur noch die Außenmauern stehen, wurden später nur noch zusammengeschoben. Man braucht nicht nach ihnen suchen. Außer wenn es sich um historische Häuser handelt, wie Rathäuser. Sobald auf dem alten Foto noch Etagen zu sehen sind und nur der Dachstuhl etwas abgedeckt ist, kann man danach suchen und vielleicht finden (wenn es nicht dem Waschbeton-Bauwahn der 70-ger zum Opfer gefallen ist). Die Chance damals besonders schöne Häuser wiederzufinden ist größer als bei eher schlichteren Häusern.

Auf jeden Fall muß man sehr genau hinschauen und kombinieren. Auf dem alten Foto steht ein Haus längs, man sieht im Hintergrund auf ein Haus quer. In dem ganzen Schutt schwer zu erkennen: die Straße muss hier enden. Sie geht nicht weiter. Das andere Haus steht im Weg. Es muss also das Ende der Straße sein. Bei Google Maps hat die Straße heute an dieser Stelle einen scharfen Knick. Man hat die Stelle und kann losfahren und suchen.

Ich habe mit Goggle Maps auch Fehler in Bildbeschreibungen gefunden. Das Bild wurde in Richtung soundso beschrieben. Auf dem Bild macht die Straße eine leichte Rechtskurve. Bei Google Maps genau andersherum. Niemand hat das bis jetzt überprüft. Nach meiner Recherche war die Information der angegebene Richtung falsch. Ich fand das Bild, hätte mich aber in der anderen Richtung verlaufen. Auch wäre da keine Kurve gewesen. Alte, angegebene Informationen sind ein Anhaltspunkt, müssen aber hinterfragt werden.

Ein Bild wurde mir spiegelverkehrt gegeben. Das war schwierig, weil ich das nicht gemerkt habe (das Bild mit der Pontonbrücke). Das Gebäude der Kupferhütte fehlte, da es auf der anderen Seite des Strommastes war. Erst bei der Vergrößerung des Nummernschildes des Jeeps und dem Vergleich mit anderen Bildern habe ich das dann gemerkt, und musste zur Belohnung noch einmal dorthin fahren :O( .

Es ist ein Vergleichen, Kombinieren, Suchen und finden. Die Kirche ist da, dann muss die Straße dort sein. In dieser Richtung. Aber es geht bergauf, hier bergab … usw.

Ich freue mich jedes mal, wenn ich etwas wieder gefunden habe und umsetzen konnte. Manchmal ist es einfach, manchmal schwer und manchmal unmöglich.

------------------------------

1. Who I met
2. How to find images
3. How to find the location

1. Who I met

Almost every time I search for an image, something strange happens.

Once when I, after I let pass a car on a road, went into the street and brought my camera in position, the car made a screeching stop and turned around. „Did you photographed me?“ whispered me the driver with a dangerous note. I told him what I want to do and showed him some old pictures. „Why are you doing this?“, he asked. When I started with: „Because I can!“, he did not hear, because he had already driven off with screeching tires.

A man in the front yard in Bocholt, I showed an old photo and he started to told from his father, of the time passed and the war and how everything was. And I in time pressure, because the sun was setting, and all I wanted was to find just the house on the picture and not be rude. Difficult to interrupt him and tell him that I had driven 90 km for the old photo. I did not find the house. Not even in the dark. Bocholt was nearly complete destroyed.

Once I was approached by an elderly lady who saw me make the countless images. Times three feet to the right, one meter, then arms further upwards and back, arms down and so on. It probably looked really stupid what I did. What would I do there, she asked me. I explained it to her and after a pause, she began to talk. That her father was a Nazi and it has brought a therapy behind only a few years ago, because it followed her in her dreams. The past time. Her father. Because he often came proud home and told of trains that he had sent to Dachau. I immediately wanted to change the theme and told her that I did not want to wake up again this terrible time for her. But she continued. That she now made her peace with it and that she lives in *** among all the foreigners and that very happy. That she now become some kind of a social worker in her old age. That she helps the shop owner preparing letters for the offices and tax. Others with transitions to the labor office. Gets gratitude tomatoes free from greengrocers and a coffee at the Corner shop. She laughed at me and had a great strength in her eyes. Her eyes sparkled at me awake. We shook goodbye.

In Münster (the city of Münster dislike my project, I knew there but not yet) I went to a photo search even into a large bookstore, because I was looking for a book for my new Raspery PI (but I does´t help :O). While searching for books I hear behind me: „Holocaust … we need for the book’s see … we could in the article on Auschwitz signature … we clarify this next week … I will again talk with the publisher“. I looked carefully. A situation almost like an interview at one of the small tables. A middle age man and an old man. I was after a quarter of an hour they dare to speak. It was an editor from Switzerland, with which I am now in a nice e-mail contact and Leslie Schwartz, one of the last survivors of the Holocaust, whose life is being filmed in Hollywood! What can that be a coincidence? Is this a coincidence? I was only on this one day, for this one Picture in Münster and in this shop on the second floor!

I wonder who I still must take everything and what experiences I‘ll have. I am looking forward to it.

. 2 How do you find images.

I usually search the Internet. Enter a city name and „World War.“ Then I look for pictures. The most successful series of photographs that appeared on online newspapers. Important to images are the image rights. Do not only use images you easily found. You have to ask the owners. City archives have a collective order which is everywhere different and sometime utopian prices includes. About an image list in an online article, I am as come to „Zeitzeugenbörse e.V. in Duisburg“. They were very pleased with my project and has provided me with a lot of pictures. This I need, too, as I previously not sure whether I can implement it. I‘m going to appeal to newspapers directly. Interesting are images from Wikipedia, as they are „public domain“ and may be used simply by referring to the authorship and a link. However, these are rare, but usually have a very good quality.